LNG anlanden

Kommt das deutsche LNG-Terminal? Und wenn ja – wo? Mehrere Unternehmen treiben Projekte voran, damit an der Nordsee Speicher- kapazität mit Hochseeanbindung entsteht. In Wilhelmshaven soll an Ort und Stelle auch regasifiziert werden.

11. Oktober 2019
LNG  anlanden
(Modell: Uniper)

Der Bundesrat billigte im Juni eine Verordnung von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, der zufolge die Kosten für die Anbindung von LNG-Terminals künftig größtenteils von den Gasnetzbetreibern zu tragen sind und nicht von den Terminaleigentümern. Bislang gibt es in Deutschland noch keine Hafenanlagen für das Anlanden von LNG aus Hochseetankern und das Zwischenlagern des verflüssigten Erdgases bis zum Weitertransport per Schiff, Bahn oder Lkw. Mehrere Initiativen wollen das ändern und treiben entsprechende Projekte voran.

Plus<a ext="tango:{CF7F9F0A-8623-46A2-818E-F9E8ADACC366}"></a>Minus

+ Liquified Natural Gas (LNG)

+ Gegenüber Diesel verursacht Erdgas bis zu 90 Prozent weniger Feinstaub.

+ CO2-Ausstoß sinkt um bis zu ein Viertel.

+ Bis zu 12.000 Euro Förderung beim Kauf eines Lkw mit LNG-Motor.

- Tankstellennetz für Lkw und Pkw ist noch im Aufbau.

Quellen diversifizieren

Uniper will von Wilhelmshaven aus das LNG-Geschäft betreiben. Ein wichtiges Projekt bei der Diversifikation des europäischen Gas-Imports ist für Uniper die mögliche Realisierung eines deutschen LNG-Importterminals, so das Unternehmen. »Unser Standort in Wilhelmshaven ist im Vergleich zu den anderen potenziellen Terminalstandorten der geeignetste«, sagt Gregor Pett, Executive Vice President Market Analytics von Uniper. »Unser Engagement trägt bereits Früchte.«

Gleich zu Beginn dieses Jahres wurden nach seinen Worten wichtige Meilensteine bei der Realisierung erreicht. Allen voran der Vorvertrag über einen erheblichen Teil der Regasifizierungskapazitäten mit Exxon. Die Gespräche mit weiteren möglichen Kapazitätsnutzern entwickelten sich positiv, so Pett. Uniper will einen Teil des angelieferten LNG an Ort und Stelle regasifizieren; diese Aufgabe wird ein Floating Storage and Regasification Terminal, kurz FSRU, übernehmen. Ist der Vorgang abgeschlossen, kann für den Weitertransport und die Lagerung die bestehende Netz- und Speicherinfrastruktur für Erdgas in Niedersachsen genutzt werden.

Floating Storage and Regasification

Das FSRU wird den Angaben zufolge eine Durchleitungskapazität von 10 Milliarden Kubikmetern pro Jahr und eine Speicherkapazität von mehr als 263.000 m³ haben. Die Anlage soll bereits in der zweiten Jahreshälfte 2022 in Betrieb genommen werden, so Uniper.

Ferner sind Lager- und Verlademöglichkeiten für LNG geplant, um den Weitertransport ins Hinterland zu ermöglichen. Im Januar schlossen Uniper und die niederländische Titan LNG eine Absichtserklärung, die den LNG-Gebrauch in der Industrie, im Straßenverkehr und in der Schifffahrt fördern soll. Geplant ist eine Schnittstelle für Small-Scale-LNG-Kunden zur Beladung von kleinen LNG-See- und Binnenschiffen sowie Tanklastwagen.

»Förderlich für das gesamte Vorhaben in Wilhelmshaven ist sicherlich auch die Tatsache, dass sich der LNG-Markt insgesamt weiterhin sehr dynamisch entwickelt – gerade aus der Perspektive Europas«, sagt Pett. Der Auslastungsgrad bestehender Terminals in Nordwesteuropa habe zuletzt deutlich zugelegt. »Die Zunahme der LNG-Lieferungen in unsere Märkte bestärkt uns weiter in unserer Überzeugung, dass unser nachdrückliches Engagement für ein deutsches Importterminal gaswirtschaftlich die richtige Entscheidung ist.«

Unser Engagement in Wilhelmshaven trägt bereits Früchte.

— Gregor Pett Uniper

Das die Standortwahl auf Wilhemshaven fiel, ist kein Zufall. Es ist der einzige deutsche Standort mit einem Tiefwasserhafen und kann ohne Gezeitenbeschränkungen erreicht werden.

Darüber hinaus ist Wilhelmshaven in Bezug auf die bestehende Pipeline- und Gasspeicherinfrastruktur ideal gelegen, heißt es.

Auch andere deutschen Häfen an der Nordsee sind im Gespräch für den Bau eines LNG-Terminals; die Unternehmensinitiative German LNG Terminal will in Brunsbüttel Kapazitäten schaffen. Der Chemiekonzern Dow möchte auf dem Gelände des bestehenden Firmenstandortes in Stade ein LNG-Terminal bauen. hd

Erschienen in Ausgabe: 06/2019
Seite: 26 bis 27