Quote für grünes Gas

Unternehmen fordern die schnelle Markteinführung erneuerbarer Gase und setzen sich für eine Quote ein. Ziel ist die Verzahnung der Bereiche Verkehr, Wärme und Strom für die bestmögliche CO2-Reduktion.

11. Oktober 2019
Erdgastrasse, Rohre, Pipeline

Immer mehr Unternehmen fordern die schnelle Markteinführung erneuerbarer Gase und setzen sich für eine Quote ein. Im September sprach sich die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg dafür aus, dass künftig synthetisch erzeugter Wasserstoff sowie Biogas fester Bestandteil der Einspeisung ins Verteil- und Fernleitungsnetz ist. »Eine gesetzlich festgelegte und über Jahre ansteigende Quote ist das Mittel der Wahl, um Erdgas durch grüne Gase zu ersetzen und dabei zugleich auf die bestehende Infrastruktur der Gasverteilung zurückzugreifen«, heißt es in einer Mitteilung der Plattform. Die Initiative sieht die Landesregierung in Stuttgart in der Pflicht, sich im Bundesrat in Berlin für eine Quote einzusetzen.

25 Prozent bis 2030

Bereits im Juli haben Branchenunternehmen aus dem ganzen Bundesgebiet eine Quote gefordert. 63 kommunale und regionale Energieversorgungsunternehmen aus der Thüga-Gruppe schlugen Maßnahmen vor, um »mit erneuerbarem Gas eine kostengünstige und klimafreundliche Wärme- und Verkehrswende umzusetzen«. Kern des Maßnahmenkatalogs ist die Einführung eines verpflichtenden Anteils an erneuerbaren Gasen.

Die Verpflichtung gilt bei der Belieferung von Gaskunden, die noch nicht am ETS teilnehmen.

— Christian Friebe Thüga

Die Quote sieht für Sektoren, deren CO2-Emissionen nicht über den Emissionshandel ausgeglichen werden, einen Anteil erneuerbarer Gase von 25 Prozent bis zum Jahr 2030 vor. Darüber hinaus fordern die Unternehmen einen Preis für CO2-Emissionen in den Sektoren, die nicht unter den Emissionshandel fallen. Dabei soll sich die Preishöhe am EU-Emissionshandel orientieren. Damit würden alle Sektoren beim Ausstoß von Kohlendioxid gleichbehandelt, so die Thüga. Damit aus der Theorie Praxis wird, setzt die Unternehmensgruppe auf den Dialog mit den Entscheidern in Politik und Ministerien.

»Wir haben den Sommer genutzt, um auf unser Konzept aufmerksam zu machen in Bundes- und Landespolitik«, sagt Christian Friebe von der Stabsstelle Energiepolitik der Thüga. »Ein- bis zweimal wöchentlich halten wir Präsentationen. Im Bundeswirtschaftsministerium hat man unseren Ansatz als Option wahrgenommen.« Im Moment spreche man vor allem mit den Abgeordneten der unterschiedlichen Fraktionen, so Friebe.

Wenn es 2020 eine Quote für grüne Gase gibt, dann ist nach seinen Worten 2030 ein Grüngas-Anteil von 25 Prozent in den Effort-Sharing-Sektoren möglich.

Kommentar

Theorie und Praxis

Erinnern Sie sich noch an E10? Oder besser gesagt an das Debakel rum um E10? E10 ist die Bezeichnung für einen Kraftstoff, dessen Rohstoffe zu 10 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen stammen. Vor ein paar Jahren ging die an sich gute Idee, mit E10 den Anteil fossiler Kraftstoffe im Verkehrswesen zu verringern, nach hinten los. E10 führte in Einzelfällen bei älteren Motoren zu Problemen, wie sich bald herausstellte. Weil es kaum Informationen der Bundesregierung gab, tankten die meisten Autofahrer aus Sorge um die Folgen lieber kein E10. Die Markteinführung scheiterte.

Kurzum: Die beste Quotenregel nützt nichts, wenn sie in der Praxis nicht funktioniert. Insofern ist es gut, dass der Ruf nach einer Quote für grünes Gas aus der Branche kommt. Dort wird man sich im Vorfeld vergewissert haben, ob sich eine Quote in die Praxis umsetzen lässt.

Bezogen auf den gesamten deutschen Gasabsatz nehmen 40 Prozent der Abnehmer am ETS-Handel teil, 60 Prozent nicht, sagt Friebe. Hier setzt das Thüga-Konzept an. Die Verpflichtung gilt bei der Belieferung von Gaskunden, die noch nicht am ETS teilnehmen.

Fokus Gebäude und Verkehr

Mit den Maßnahmen lassen sich die Treibhausgasemissionen insbesondere im Gebäude- und Verkehrsbereich effektiv und effizient senken, heißt es. Damit könnte Deutschland die drohenden Ausgleichszahlungen beim Verfehlen der CO2-Minderungsziele vermeiden.

Das Positionspapier ›Erneuerbares Gas für die Wärme- und Verkehrswende – Positionen für weniger CO2 und mehr Klimaschutz in Deutschland‹ steht auf der Thüga-Website zum Download bereit.

Erschienen in Ausgabe: 06/2019