Vorfahrt für Grünstrom

Verkehr - Die digitale Integration macht E-Mobilität zu einem wichtigen Baustein der Energiewende. Nun hat man das Potenzial der intelligenten Ladesteuerung von E-Autos für die Netzstabilität untersucht.

28. November 2019
Green environmentally friendly vehicle concept - 3d rendering

Ein gemeinsames Pilotprojekt des Übertragungsnetzbetreibers Tennet und der BMW Group hat jetzt gezeigt, wie die Ladestrategie von Elektrofahrzeugen intelligent auf die Auslastung des Stromnetzes und die Verfügbarkeit von erneuerbarer Energie abgestimmt werden kann. Das Pilotprojekt kann die Grundlage für eine Realisierung dieser Lösung in größerem Maßstab bilden.

Engpässe im Netz vermeiden

Die Zunahme von erneuerbaren Energien und Elektromobilität stellt eine Herausforderung für die Versorgungssicherheit dar. Es geht darum, Stromerzeugung und -verbrauch aufeinander abzustimmen und gleichzeitig die Stabilität des Stromnetzes aufrechtzuerhalten. »Wenn wir Elektroautos digital in das Stromnetz integrieren, können die Ladevorgänge sowohl auf den Mobilitätsbedarf der Autofahrer als auch auf die Netzstabilität abgestimmt werden. So kann eine intelligente Ladesteuerung dazu beitragen, Engpässe im Stromnetz zu verhindern und dabei grünem Strom Vorfahrt zu gewähren«, sagt Tennet-Geschäftsführer Tim Meyerjürgens. »Wir erschließen so neue Wege, um die stark vom Wetter abhängige erneuerbare Stromproduktion flexibel zu steuern. Das entlastet das Stromnetz. Damit kann eine intelligente Ladesteuerung von Elektro-Autos den Netzausbau ergänzen und zu einem der Bausteine der Energiewende werden.«

Intelligente Ladesteuerung

Im Rahmen des Pilotprojekts hatte die BMW Group über die intelligente Ladesteuerung und vernetzte Elektronik der Pilot-Fahrzeuge Hinweise von Tennet auf drohende Netzüberlastungen registriert und verarbeitet, um daraufhin den Ladevorgang in ausgewählten BMW i3 zeitweise zu unterbrechen. Die frei werdende Leistung konnte Tennet für den Ausgleich von Netzengpässen nutzen und so die Inanspruchnahme von konventionellen fossilen Kraftwerken vermeiden.

Wir erschließen neue Wege, um die erneuerbare Stromproduktion flexibel zu steuern.

— Tim Meyerjürgens Tennet

Heute kommt es wegen der zunehmenden dezentralen Einspeisung erneuerbarer Energien immer öfter zu Engpässen im Stromnetz, so Tennet. Um sie zu vermeiden, greift der Netzbetreiber in die Erzeugung von konventionellen Kraftwerken (Redispatch) und von Erneuerbaren ein (Windabregelungen) und sorgt so dafür, dass der Stromtransport im Rahmen der Übertragungskapazität des Netzes liegt.

Die Kosten hierfür lagen laut Tennet 2018 deutschlandweit bei circa 1,4 Milliarden Euro, davon fielen etwa 500 Millionen Euro für Eingriffe in die konventionelle Erzeugung an. Diese Kosten werden über die Netzentgelte letztlich von den Stromverbrauchern getragen. Mit voranschreitender Energiewende sollen neue Flexibilitäten wie die Elektromobilität die Aufgaben der konventionellen Kraftwerke übernehmen.

Tennet testet daher in dem Pilotprojekt mit der BMW Group und weiteren Pilotprojekten, welche dezentralen Flexibilitäten in Zukunft genutzt werden können, um das Netz zu stabilisieren und erprobt damit bereits heute Lösungen für morgen.hd

Erschienen in Ausgabe: 07/2019
Seite: 37